Kurzantwort: Bleirohre geben Blei ans Trinkwasser ab und sind ein ernstes Gesundheitsrisiko - besonders für Schwangere und Kinder. In Mülheim sollten Altbauten auf Bleileitungen geprüft werden. Der Austausch ist Pflicht und wird in der Regel durch den Wasserversorger oder das Gesundheitsamt begleitet.
Warum sind Bleirohre gefährlich?
Blei löst sich langsam aus den Rohrwänden und geht ins Trinkwasser über. Besonders bei längerem Stehen des Wassers in der Leitung - zum Beispiel nachts - steigt die Konzentration. Blei ist ein kumulatives Gift, das sich im Körper anreichert. Für Kleinkinder, Säuglinge und Schwangere ist schon eine geringe Dauerbelastung schädlich: Blei beeinträchtigt die Gehirnentwicklung und das Nervensystem.
In welchen Gebäuden kommen Bleirohre noch vor?
Bleileitungen in der Hausinstallation wurden in Deutschland bis in die 1970er Jahre verlegt. In Mülheim finden sich Bleirohre daher vor allem in Gebäuden mit Baujahr vor 1975. Besonders betroffen sind:
- Altbauten aus der Gründerzeit und der Vorkriegszeit
- Gebäude mit nicht modernisierter Leitungsinstallation
- Hausanschlussleitungen vom Verteilerkasten zur Wohnungssteigleitung
Bleirohre erkennen - so geht es
- Optische Prüfung: Bleirohre sind mattgrau, leicht gebogen und lassen sich mit dem Fingernagel einritzen. Sie sind weich und biegsam - im Gegensatz zu harten Kupfer- oder Kunststoffrohren.
- Ritztest: Blankes Blei hat einen silbrig-glänzenden Schnittrand; Kupfer ist rötlich, verzinkter Stahl grau-silbrig aber hart.
- Wasserprobe: Das Gesundheitsamt Mülheim oder akkreditierte Labore führen Trinkwasseranalysen durch. Lassen Sie das Wasser morgens nach Stehzeit untersuchten - dann ist die Bleibelastung am höchsten.
Was tun, wenn Bleirohre gefunden wurden?
- Wasser fließen lassen: Als Sofortmaßnahme das Wasser morgens 3 bis 5 Minuten fließen lassen, bevor Sie es verwenden. Das spült abgestandenes Wasser aus.
- Kein Leitungswasser für Säuglingsnahrung: Bis zum Austausch der Rohre nur stilles Mineralwasser oder Wasser aus einer anderen Quelle verwenden.
- Wasserversorger informieren: Für die Hausanschlussleitung im öffentlichen Bereich ist der Wasserversorger zuständig.
- Fachbetrieb beauftragen: Den Austausch der privaten Hausleitungen muss der Eigentümer veranlassen.
Sanierungsoptionen
- Rohraustausch: Die sicherste Methode - Bleileitungen werden vollständig durch Kupfer- oder Kunststoffrohre ersetzt. Aufwändig, aber dauerhaft.
- Rohrinliner: In manchen Fällen kann ein Liner eingebracht werden, der das Blei von innen versiegelt. Ob das für Trinkwasserleitungen zulässig ist, hängt vom verwendeten Material ab - nur zertifizierte Produkte erlaubt.
Kosten und Förderung
Der Austausch von Bleirohren kostet je nach Umfang zwischen 1.000 und 5.000 Euro. Eigentümer können bei der KfW oder der Stadt Mülheim nach Förderprogrammen für die Trinkwassersanierung fragen. In Mietshäusern trägt der Vermieter die Kosten; der Austausch kann nicht auf Mieter umgelegt werden.